Danilo Walenta über seine bisherige Promotionszeit

Im Interview berichtet er über seine Forschungsinteressen, seine Erfahrungen und gibt Tipps!

27.04.2026

Wir sprechen mit unserem Kollegen Danilo Walenta über seine Erfahrungen und bisherigen Learnings während seiner Promotionszeit bei uns am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik Software & AI Business. Er hat im November 2023 seine Promotion und Arbeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Darmstadt gestartet und befindet sich nun so langsam auf der Zielgeraden. Das Interview führte Seniha Ulukan.

Seniha Ulukan (SU): Wie kam es dazu das du promovieren wolltest?

Danilo Walenta (DW): Das kam nicht erst im Master, bereits im Bachelor habe ich darüber nachgedacht zu promovieren […], denn im Laufe des Studiums habe ich festgestellt, dass es mir sehr viel Freude bereitet mich mit wissenschaftlichen Themen tiefergehend zu beschäftigen und diese zu erforschen.

SU: Führe uns doch mal durch den Prozess: Du hattest dich entschieden zu promovieren, was waren die nächsten Schritte?

DW: Es ist ähnlich wie bei der klassischen Jobsuche – man schaut bei Lehrstühlen an Unis nach Ausschreibungen für Promotionsstellen. Ich hatte jedoch bereits meine Masterarbeit bei Herrn Prof. Buxmann geschrieben und die Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhls gefielen mir gut. Als er mir dann den Vorschlag machte, hier am Lehrstuhl auch promovieren zu können stand für mich die Entscheidung schnell fest und ich habe mich auf eine freie Stelle beworben. Grundsätzlich ist ein guter Masterabschluss aber eine Grundvoraussetzung für eine anschließende Promotion.

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SU: Womit beschäftigst du dich inhaltlich? Und was fasziniert dich daran?

DW: Positiv ist, dass wir hier am Lehrstuhl sehr frei in unserer Forschung sind – natürlich bedeutet das auch, dass man zu Beginn erstmal das eigene Forschungsinteresse abstecken muss. Dazu gehören die Fragen: Was interessiert mich und womit möchte ich mich beschäftigen? Viele legen ihren Fokus derzeit auf die Künstliche Intelligenz – es ist aber ein durchaus sehr breites Thema, deswegen habe ich mich am Anfang erstmal ausgiebig damit befassen müssen.

Ich bin dann auf die Fragestellung gekommen, wie man Gewohnheiten mithilfe von Künstlicher Intelligenz verändern kann. Und was die bisherigen Erfahrungen oder (der aktuelle) Wissensstand über Gewohnheiten in Verbindung mit künstlicher Intelligenz sind. Ich musste jedoch schnell feststellen, dass es recht komplex ist Gewohnheiten zu untersuchen, weil es meistens an den Datensätzen scheitert. […] Da hatte ich den Vorteil, dass der Lehrstuhl mit der Allianz schon sehr lang zusammenarbeitet und ein Datensatz zur Verfügung stand den wir nutzen konnten. […]

Ein zweites Thema, mit dem ich mich im weiteren Verlauf meiner Promotion beschäftige, weil es einfacher ist Experimente durchzuführen, ist das Thema Lernen. Wie lernen Studierende mit Hilfe von Künstliche Intelligenz? Viele benutzen ChatGPT, um Übungsblätter zu erstellen oder einfacher in den Stoff reinzukommen. Dazu haben wir letztes Jahr ein interessantes Experiment durchgeführt in Bezug auf die Veranstaltung „Grundlagen der Softwareentwicklung und Management“, das ist eine Bachelorveranstaltung für alle Wirtschaftsingenieure, bei der ich die Übung betreue. Für die Übungen stellen wir Tutoren ein, um diese in insgesamt 9 Übungen für die fast 350 Studierenden anbieten zu können. In dem Fach lernen die Studierenden Programmieren. Am effektivsten lernt man Programmieren, wenn man den Stoff auch direkt praktisch umsetzt, den man Theoretisch gelernt hat. d.h. selbst programmieren. Und wir haben uns gedacht, es wäre auch cool den ganzen Prozess mit künstlicher Intelligenz zu unterstützen, […] dabei haben wir versucht die Unterschiede (von den Lernstilen) herauszuarbeiten, was ich auch sehr spannend finde.

SU: Wie läuft der Alltag eines Promovierenden?

DW: […] Der Arbeitsalltag umfass verschiedene Säulen, unter anderem z.B. die Lehre, die einen gewissen betreuungsaufwand und einige Termine erzeugt. Daneben ist Hauptbestandteil meiner Arbeit, die Forschungsseite, mit den eigenen Forschungsprojekten – es gibt verschiedene Deadlines von Konferenzen und Journals, die Aufgabe Paper zu reviewen, eigene Paper zu schreiben etc. […]

Was auch ein wichtiger Teil in der Forschung ist, wie ich finde, Wissen an neue Kolleg:innen weiterzugeben, die gerade in die Promotion starten und sie im Prozess zu begleiten: Was möchtest du erforschen? Auf was muss man achten, wenn man sich ein Thema aussucht? Denn als ich angefangen habe, wurde mir auch sehr viel von meinen Kolleg:innen mitgegeben und erklärt, wie alles so läuft in der Forschung und sie haben mir ihre Einschätzungen und Feedback gegeben was ganz wichtig ist.

SU: Was gab es für besondere Ereignisse während deiner bisherigen Promotionszeit?

DW: Besonders schöne Momente sind die, wenn ein Paper angenommen wurde und man auf eine Konferenz reisen darf. Man hat dann die Chance andere Wissenschaftler:innen kennenzulernen, zu Netzwerken, aber auch über seine Idee zu sprechen. Wenn man präsentiert, dann ist es meistens so, dass man eine viertel Stunde seine Präsentation hält und danach hat man 10-15 Minuten Zeit, um Fragen aus dem Publikum zu diskutieren. Da man den gesamten Prozess des Projektes begleitet hat, macht es auch spaß darüber zu diskutieren um andere Perspektiven von Wissenschaftler:innen kennen zulernen. Auf der anderen Seite, wenn sie abgelehnt werden, das ist natürlich hart. […]

SU: Wie hast du dir die Promotionszeit vorgestellt und wie war es tatsächlich?

DW: Ich weiß gar nicht, ob ich eine konkrete Vorstellung hatte. Es ist auf jeden Fall nicht zu unterschätzen würde ich sagen. Es ist immer faszinierend wie viele Dinge auf einmal zusammenkommen können. Also die Deadline der Konferenz, die Lehrveranstaltungen, die geplant werden müssen, Aufgaben am Lehrstuhl. Man sollte sehr spontan sein, es ist nicht so, dass man seinen geregelten Arbeitsalltag hat, sondern jede Woche ist anders, jeder Tag ist anders, weil es verschiedene To-Dos gibt und dass kann schon auch sehr stressig werden. Gleichzeitig macht es das auch charmant, weil die Arbeit auch sehr dynamisch ist. Wenn eine Deadline Sonntagabend ist, kann auch mal ein Wochenende sehr arbeitslastig sein, weil man Samstag und Sonntag noch daran sitzt, um das Paper fertig zu schreiben. […] Bei uns am Lehrstuhl arbeitet man zudem in einem superjungen Team und das merkt man auch. Es macht Spaß mit den Kolleg:innen zu arbeiten und das hat man vielleicht in einem normalen Job nicht, wenn man durch die Bank weg verschiedene Generationen als Kollegen hat. Das ist auf jeden Fall auch sehr positiv finde ich, was mir vorher auch nicht so bewusst war.

SU: Wie gehst du mit herausfordernden Phasen um?

DW: […] Herausfordernd finde ich es, wenn das eigene Paper schlecht bewertet wird und wenn man von Konferenzen abgelehnt wird, das hatte ich jetzt letztens leider auch wieder. Das ist auch ein Unterschied zu Jobs außerhalb der Uni, dass man sich während der Promotionszeit kontinuierlich mit anderen messen muss und Feedback bekommt, aber natürlich hat man dadurch auch die Möglichkeit superviel zu lernen und sich weiterzubilden. Das würde man so nicht bekommen, wenn man nicht diese direkten Feedbackmechanismen hätte und sich nicht messen müsste.

Was auf jeden Fall gut ist, dass wir ein starkes Team haben und man immer mit Kolleg:innen reden kann. Der Vorteil in dem ganzen Nachteil, dass wir alle in derselben Situation sind und uns so natürlich auch gegenseitig ermutigen können oder eine andere Einschätzung geben können. Wenn meine Kolleg:innen zum Beispiel schon promoviert sind, dann kennen sie das natürlich auch alles und wissen im Endeffekt funktioniert schon alles und es wird schon alles gut. Das von Kolleg:innen zu hören, die die Situation tatsächlich einschätzen können und nachempfinden können, das hilft schon immer sehr.

SU: Was würdest du jemanden mitgeben der eine Promotion startet? Was hättest du gerne vorher gewusst?

DW: Was mir schon am Anfang ganz klar gesagt wurde, dass man es nicht wegen dem Titel machen soll, weil es wahrscheinlich zu schwer ist, um seine einzige Motivation darin zu sehen. Ich würde sagen es sollte Spaß machen sich mit einem Thema intensiv zu beschäftigen, das Forschen sollte einem Spaß machen. Das ist auch das, was mich motiviert, dass ich mir jeden Tag überlegen kann, womit ich mich beschäftigen kann, und mich tatsächlich stundenlang einlesen kann. Das sollte auf jeden Fall die Motivation sein und der Tipp, den ich geben würde. Wenn das einem kein Spaß macht, dann ist das wahrscheinlich nicht der richtige Job. Man sollte bereit sein die extra Meile noch zu laufen. […]

SU: Was waren deine Beweggründe eine Promotion anzufangen im Hinblick auf deine berufliche Zukunft?

DW: […] Ich persönlich hab mich noch nicht so ganz entschieden, wo mein Weg final hingehen soll, also in die Wirtschaft oder in die Forschung. Forschung macht mir auf jeden Fall sehr viel Spaß. Ich könnte mir allerdings auch vorstellen in der Wirtschaft zu arbeiten, vielleicht in einem Forschungsbereich. Sich mit neuen Themen zu beschäftigen und zu überlegen, wie können wir Experimente aufstellen, um noch mehr über Kunden oder über das Verhalten von Menschen zu erfahren? Das man das vielleicht verbinden kann, könnte ich mir sehr gut vorstellen.

[…]

SU: Vielen Dank für deine interessanten Einblicke in die Erfahrungen die du bereits während der Promotion gesammelt hast! Wir wünschen dir auf der Zielgeraden nun weiterhin ein gutes Durchhaltevermögen!